Die pommersche Schlup
"Vineta von Laboe"
Stahlrump der "Vineta von Laboe"
Schiffstaufe der "Vineta von Laboe"
„VINETA von LABOE“
Neben den kleinen Schonern sind an der pommerschen Küste im 19. jahrhundert die wichtigsten Frachtsegler die Schlupen gewesen. Verwendet wurden sie in der Ostseefahrt, in der pommerschen Haff- und Boddenfahrt sowie zum Steinfischen an der Küste vor Rügen und auf dem Greifswalder Bodden. Sie befuhren aber nicht nur die ganze Ostsee, sondern wagten sich – unter der Führung seegewohnter Kapitäne – bis ins Mittelmeer. 1885 zählte man unter Einschluß einiger Yachten in Pommern 189 Schlupen; 1878 gab es sogar 249, die auf nur 48 im Jahre 1914 zurückgingen. Somit sind in Pommern von 1830 bis 1890 ungefähr 280 Schlupen vom Stapel gelaufen. Diese wurden gebaut auf dem Darß, in Stralsund, Seedorf, Barth (nebst Fuhlendorf und Michaelsdorf), Anklam, Damgarten, Greifswald; mehrere Fahrzeuge entstanden ferner in Ückermünde, Demmin, Wolgast, Kolberg und Rügenwalde.
Es waren kurze, dabei aber sehr breite (L/B 3,0) Segler, mit einer großen Seitenhöhe im verhältnis zur Länge. Mit aufkimmendem Boden auf hohem Kiel gebaut, besaßen die Schlupen einen geraden, sschwach ausfallenden oder gekrümmten und überfallenden Vorsteven, oft mit einem richtigen Galion, einen geraden Achtersteven und ein plattes oder halbrundes Heck mit Bootsdavis sowie ein hohes Schanzkleid. Bei voller Schiffsform hatten sie entweder sehr scharfe Enden, oder ein völliges Vorschiff, unter Wasser ein scharfes Achterschiff. Sie waren im allgemeinen schärfer gebaut als die Yachten und hatten im Gegensatz zu diesen einen sehr schwachen Sprung. Aufgrund der breiten und tiefen Rumpfform konnten sie eine größere Besegelung als die Yachten führen. Die Schlupen hatten einen hohen Untermast, mit langer Stenge und ein festes Bugspriet mit oder ohne Klüverbaum. Ihre Besegelung bestand aus einem großen, oben sehr breiten Gaffelsegel (Schlupsegel), einer Breitfock, einem Gaffeltoppsegel, einer Stagfock, einem sehr großen Klüver und einem Jager. Die ältere Schlupen führten gelegentlich auch feste Rahsegel, ein Topp- oder Bramsegel sowie am Vorgeschirr einen Flieger.
Schlupen, wie man auch sagte, „Schaluppen“, kamen vereinzelt auch in Mecklenburg und in Schleswig-Holstein sowie an der Elbe vor. Nach diesem Vorgaben entstand Anfang der 80er Jahre die „Vineta v. Laboe“. Nach einjähriger Ausbauphase des Stahlrumpfes erfolgte der Stapellauf im August 1985. Kompromisse, wie bei anderen Repliken (z. B. Kutter, Colin Archer und Schoner), sind auch hier zwangsläufig vorgekommen. So z. B. die Motorisierung mit einem Mercedes OM 636 oder die Ausstattung als Kielschwerter. Dieser Schiffstyp, der wie eingangs erwähnt, die Ostseehäfen anlief und das Bild der segelnden Frachtschiffe vervollständigte, ergänzt die Flotte der „alten Schiffe Laboe“
Laboe, im Dezember 1996, Karl-Christian Fleischfresser
Quellen: Kurt Fleischfresser, „Mit auf den Kurs“, 1984 und Hans Szymanski, „Die Segelschiffe der dt. Kleinschiffahrt“, 1929
